Eine Studie der TU Braunschweig macht klar: Eine flächendeckende E-Mobilität ist umsetzbar. Man braucht nur die richtigen Voraussetzungen.  
Wenn wir unsere Häuser mit PV-Anlagen ausstatten, steht der E-Mobilität nichts mehr im Weg. Foto: pxhere.
Rund um E-Autos halten sich – unter anderem – zwei Gerüchte beständig. Erstens: E-Autos sind doch eigentlich Stadtautos. Zweitens: Wenn alle Leute ein E-Auto fahren würden, würde unser Stromnetz das doch gar nicht aushalten. Eine Kurzstudie der Technischen Universität Braunschweig zeigt, wie unrecht beide Annahmen haben. 

PV zur Rettung
Das Mittel zum Zweck dafür sind Photovoltaik-Anlagen in Kombination mit Speichern in den Gebäuden von Privatpersonen. Diese – zusammen mit guter Planung und einer dezentralen Organisation – könnten genug Spannung erzeugen, um potentiell eine hundertprozentige Abdeckung mit E-Autos zu ermöglichen. 

Dafür gingen Forschenden hinter der Studie von einem repräsentativen, beispielhaften vorstädtischen Niederspannungsnetz aus. Dabei fanden sie unter anderem heraus, dass diese schon jetzt genug Potential haben, um eine Abdeckung von bis zu 45 % zu ermöglichen. Weit mehr, als selbst das hochelektrische Norwegen aktuell vorzuweisen hat.  

Dynamisches Laden hilft
Dafür braucht es allerdings etwas, das die Studie als dynamisches Laden bezeichnet. Konkret ist damit nur gemeint, dass nicht alle Autos gleichzeitig am Stromnetz hängen, was ohnehin dem realistischen Bild eines Ladeprozesses entspricht. E-Auto-Lenkende laden ihr Gefährt schließlich nicht jeden Tag auf und auch nicht alle zur gleichen Zeit. Intelligente Wallboxen, die das Laden dann durchführen, wenn das Netz es zulässt, tun ihr Übriges. 

Nun rechnet die Studie auch noch die Möglichkeit von Photovoltaikanlagen mit dezentralen Batteriespeichern in ihre Formel hinein. Diese können in den Sonnenstunden Energie erzeugen, in die Batterie einspeichern und abends und nachts – wenn Autos geladen werden – abgeben. Wenn die Speicher zusätzliche Blindleistung erzeugen können, erhöht sich die mögliche Auslastung auf bis zu 60 %. 

Volle Abdeckung
Abschließend fügt die Studie noch eine Möglichkeit hinzu, die aktuell noch nicht regulativ abgesichert ist: die Mehrfachnutzung der Energiespeicher. Diese könnten dadurch aus dem Netz geladen werden, wenn gerade keine Sonne in ihrer jeweiligen Umgebung scheint und respektive auch Strom in das Netz einspeisen, wenn die Batterie vollgeladen ist.  

Mit einer solchen Option wäre eine vollständige Abdeckung aller Haushalte mit E-Autos und Wallboxen möglich. Dafür müssen allerdings zuerst die regulativen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Damit steht einer flächendeckenden E-Mobilität auch außerhalb der Städte nichts im Weg, ohne aufwendige und kostenintesive Aufrüstungen des Stromnetzes zu verlangen. (flb)

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